Ökologische Milchviehhaltung

Bewirtschaftung nach ökologischen Grundsätzen

Von Anfang an wurde auf Gut Kerschlach konsequent ökologische Landwirtschaft betrieben. Im Kreislauf von gesundem Boden - gesunden Pflanzen - gesunden Tieren erreichen wir unser Ziel: Die Produktion hochwertiger und kontrolliert biologischer Lebensmittel für den Menschen. Nur wenn jedes Glied in der Kette ökologisch einwandfrei ist, bleibt die ganze Kette biologisch im Gleichgewicht.

Kontrolliert biologische Landwirtschaft

Die logische Konsequenz aus unserem Bemühen um kontrolliert biologischen Landbau war der Beitritt zum Naturlandverband, dem größten bayerischen Anbauverband. Der Naturlandverband bietet fachliche Beratung durch speziell geschulte Mitarbeiter. Er stellt aber auch strenge Forderungen an seine Mitglieder, wie zum Beispiel:

  • Grundsätzliches Verbot von Gentechnik, mineralischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln
  • Regelungen zum Bezug von Saat- und Pflanzgut
  • Bestimmungen zur Arbeit auf den Wiesen und Feldern
  • Artgerechte Haltung der Tiere
  • Regelung der ökologische Fütterung und medizinische Behandlung in Krankheitsfällen 
  • Strenge Buchführung zu allen geforderten Punkten
  • Jährlich eine umfangreichen Betriebskontrolle

Wie auf jedem klassischen Bauernhof stehen auf Gut Kerschlach die Nutztiere im Mittelpunkt. Wie bei allem, was wir tun, achten wir auch und gerade bei unseren Tieren auf gesunde und artgerechte Haltung. Wir wollen, dass die Tiere sich bei uns wohl fühlen und stressfrei leben. Freundliche Behandlung, artgerechte Fütterung, viel Bewegung, frische Luft und Kontakt zu Artgenossen sind hierfür sehr wichtig. Darum haben unsere Tiere immer Auslauf und nach Möglichkeit auch Weidegang. In unseren hellen und luftigen Stallungen leben Kühe, Kälber, Rinder, Schweine und Pferde.

Nur Betriebe, die den Anforderungen der Verbandsrichtlinien Genüge tun, haben das Recht, ihre Produkte unter dem Label "Naturland" zu vermarkten.

Die Milchviehhaltung ist die im okologischen Landbau mit Abstand bedeutendste Form der Tierhaltung. Wiederkäuer sind hier von besonderer Bedeutung. Sie können die systembedingt notwendigen, humusmehrenden Futterbaukulturen mit Leguminosen für die Erzeugung hochwertiger tierischer Eiweiße nutzen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Rinderhaltung und Pflanzenbau wird deswegen angestrebt.

Auf Gut Kerschlach gibt es insgesamt rund 300 Rinder, davon eine ökologische Milchviehhaltung mit den Rassen Fleck- und Braunvieh mit rund 110 Milchkühen.

Für Milchkühe sind nach Naturland-Richtlinien mindestens sechs Quadratmeter Stallfläche pro Kuh vorgeschrieben. Der Kerschlacher Boxenlaufstall wurde nach neuesten Erkenntnissen für tiergerechte Halung gebaut und ist für 100 Kühe ausgelegt und mit Laufmatten ausgestattet. Die Boxenabtrennungen sind aus Holz und beweglich befestigt, damit sie die Tiere beim Ablegen bzw. Aufstehen nicht behindern.  Die Kühe sind behornt - was auch im ökologischen Landbau nicht üblich, aber gewünscht ist. Dies erfordert wiederum mehr Platz ohne Nischen und Sackgassen. Die Tiere können sich im Stall frei bewegen und zum Ruhen frei zugängliche Liegeboxen aufsuchen.

Die Weidehaltung während der Vegetationsperiode ist ein angestrebtes Ziel in der ökologischen Tierhaltung - auch auf Gut Kerschlach. 80 Hektar sind Weiden und stehen allein den Rindern zur Verfügung. 70 Hektar der Flächen sind Wiesen, hier wird die für die Winterfütterung nötige Silage und das Heu gewonnen. Der Futterbau erfolgt autark, nur ein Teil des Getreides wird zugekauft und zwar in dem Verhältnis, wie erzeugte Produkte wie Milch und Fleisch verkauft werden. In einem konventionellen Mastbetrieb dagegen muß das Kraftfutter aufwändig importiert werden und der Anbau und Transport der Futtermittel und der nicht bodengebundenen Ausscheidungen der Tiere belasten Luft und Böden.

Die Flächenbewirtschaftung auf Gut Kerschlach erfolgt ohne Pestizideinsatz und ohne Kunstdünger.

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Fütterung soll die Gesundheit der Tiere garantieren. Bei Milchkühen bestehen daher mindestens 60% der Trockenmasse der Tagesration aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter. Es wird Gras, Grassilage, Heu und eine Getreidemischung verfüttert. Die Getreidemischung besteht aus regionalen Futterpflanzen wie z.B. Wintergerste, Triticale und Hafer.

Unsere Kälber werden in einem Kälberdorf mit Vollmilch aufgezogen, die sie nach eigenem Bedarf am Tränkeautomaten abrufen. 

Im ökologischen Landbau ist es das Ziel, Tiere gesund zu erhalten, statt Krankheiten zu kurieren. Hierbei sollen tiergerechte Lebensbedingungen, angemessene Leistungsansprüche, eine geeignete genetische Disposition sowie Fitness den Tieren helfen. Die prophylaktische bzw. routinemäßige Gabe von Tierarzneimitteln (soweit nicht behördlich vorgeschrieben), hormonelle Behandlungen, synthetische Futterzusatzstoffe oder Masthilfsmittel sind verboten. Impfungen sind erlaubt. Auch Entwurmungsmittel können eingesetzt werden, soweit Untersuchungen von Kotproben eine Behandlung als erforderlich erscheinen lassen.  

Falls ein Tier trotzdem krank wird, sind zunächst Naturheilverfahren (Homöopathie, Phytotherapie etc.) einzusetzen. Wenn diese nicht die veterinärmedizinisch gewünschte Wirkung zeigen, können auch im ökologischen Landbau andere Tierarzneimittel eingesetzt werden, wenn sie vom Tierarzt verschrieben werden. Ihre Anwendung ist jedoch strikten Regelungen unterworfen und muss genauestens dokumentiert werden. Sämtliche Daten zur Tiergesundheit sowie der Gabe von Medikamenten sind in einem Stallbuch zu vermerken und bei der Betriebskontrolle vorzulegen. Wird ein Tier mehr als dreimal pro Jahr mit chemisch-synthetisch hergestellten allopathischen Tierarzneimitteln behandelt, dürfen die Produkte nicht mehr als ökologisch vermarktet werden.

Seit Anfang des Jahres 2016 werden zum Melken zwei Lely-Melkroboter eingesetzt, die den bis dahin vorhandenen Doppel-4er-Tandem-Melkstand ersetzt haben. Die Kühe können nun selbständig bestimmen, wann und wie oft sie gemolken werden, maximal werden sie jedoch nur 3 mal pro Tag vom Roboter zugelassen. Nur in der Zeit, in der die Kühe auf der Weide sind, können sie nicht zum Roboter gelangen. Bei uns geht im Durchschnitt jede Kuh 2,4 mal zum Melken und gibt 21 Liter Milch pro Tag.

Der Melkvorgang funktioniert selbständig ohne Mitarbeiter. Nachdem die Kuh ihren Melkplatz eingenommen hat, bekommt sie Kraftfutter entsprechend ihrer Milchleistung zugeteilt. Das Futter dient gleichzeitig als Lockmittel. Automatisch werden dann die Zitzen gesäubert und die Zitzenbecher angesetzt. Der Melkvorgang dauert ca. 8 Minuten. Der Roboter erfaßt außerdem wichtige Daten über den Gesundheitszustand und die Aufnahmefähigkeit zum Zweck Besamung der Tiere. 

Die Milch wird an die Andechser Molkerei Scheitz geliefert.